Sängermuseum: Topziel für Gruppenreisen
Hier sollte jeder Chor einmal singen
Helma Kurz singt begeistert mit beim 2. Chorfest Romantische Straße...
Wötzel : Der Bundestagsabgeordnete Josef Göppel und der Landtagsabgeordnete Klaus Dieter Breitschwert forderten Scherf auf sich bei Ihnen zu entschuldigen. Ist das geschehen?
Helma Kurz: Nein.
Wötzel: Betreten Sie das Museum nach ihrer Entlassung deshalb nicht mehr…
Helma Kurz: … nicht mehr als ehemalige Geschäftsführerin. Ich will meine Mitarbeiter, die jahrelang loyal an meiner Seite standen, nicht in eine Zwickmühle bringen. Als Gast bei Veranstaltungen gehe ich natürlich ins Museum. Es fasziniert mich bis heute, unabhängig von Amt und Würden. Und ich werde nichts tun, was diesem Kleinod, in dem mein Herzblut steckt, in irgendeiner Weise schaden könnte und seinen dauernden Bastand in Feuchtwangen gefährdet. Das überlasse ich anderen.
Wötzel: Wie kamen Sie zur Chormusik und was bedeutet Singen im Chor für Sie?
Helma Kurz: Ich bin in der Familie mit Singen aufgewachsen, vor allem mit Volksliedern. Daher kenne ich noch die ganzen Volkslieder auswendig und könnte einen Roman schreiben, der nur aus Liedtexten besteht. Das hat mich mein ganzes Leben begleitet, ich habe im Schul- und im Kirchenchor gesungen. Und als ich 1975 mit der Familie nach Feuchtwangen kam, war der erste Verein, dem ich beitrat, der Gesangverein.
..und im Gespräach mit Besuchern auf dem Marktplatz
Wötzel: Singen Sie noch aktiv?
Helma Kurz: Nicht mehr im Chor. Aber wenn ich die Möglichkeit zum Singen habe, bin ich begeistert dabei, wie jetzt mit Gotthilf Fischer. Beim Singen im Chor vergisst man Sorgen, Schmerz, Trauer. Hinterher fühle ich mich einfach wohl, ich habe etwas geleistet, ich habe frei geatmet, meine Bauchmuskeln angestrengt, der ganze Körper ist in Bewegung. Und dazu das Wir-Gefühl in der Gemeinschaft. Hier zählt nicht der Einzelkämpfer, sondern der Chor. Zudem bin ich ein geselliger Mensch, und Geselligkeit bedeutet für mich immer auch Singen.
Wötzel: Warum haben Sie vor 21 Jahren eine ehrenamtliche Aufgabe im Sängermuseum übernommen und dieses damals mit ihrem Mann, einem Unternehmer in Feuchtwangen, und auch heute noch finanziell unterstützt?
Helma Kurz: Aus Liebe zum Chorgesang wurde ich Gründungsmitglied des Fördervereins. Mich faszinierte die packende gesellschaftspolitische Geschichte des Chorsingens im Verein, die mir in einem Vortrag eines Musikwissenschaftlers klar wurde. Das hat einen Schalter umgelegt und ich sagte mir: da muss ich aktiv werden. Auch sah ich meine Lebenserfüllung nicht in der Rolle als Unternehmergattin. Als die Kinder größer wurden, kam das Sängermuseum wie gerufen. Dessen wissenschaftlicher Leiter suchte damals eine Schreibkraft. Ich bewarb mich, wurde angenommen - und steckte meinen Mann mit meiner Begeisterung so sehr an, dass er das Museum finanziell förderte...
Jeder Chor sollte - wie beim Sängerfest Romantische Straße - einmal im Sängermuseum in Feuchtwangen auftreten. Rechts: ein Musical von Schulkindern im Museum
Wötzel: Ich meine, jeder Chor und Gesangverein sollte einmal in diesem Museum gesungen haben. Wie viele waren es bisher und aus wie vielen Ländern kamen diese?
Helma Kurz: Das wäre wünschenswert, zumindest bundesweit. Das liegt noch etwas im Argen und erfordert natürlich nicht zuletzt einen großen finanziellen Aufwand. Mit den Mitteln, mit denen ich in der Stiftung gearbeitet habe, waren große Werbefeldzüge nicht möglich.
Wötzel: Wäre es nicht eine Aufgabe für den Deutschen Chorverband, seine Vereine dafür zu motivieren?
Helma Kurz: Dafür plädiere ich seit undenklichen Zeiten. Da bewegt sich aber nicht wirklich etwas. Mein Eindruck ist, dass sich der Verband damit gerne schmückt, aber wirklich aktiv geworden ist er bis jetzt noch nicht. Pro Jahr treten rund 30 Vereine auf , vor allem aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das ist zu wenig. Anders liegt das bei Anfragen an das Archiv. Diese kommen aus Japan, Korea, aus den ehemaligen Kolonien in Südwestafrika, aus den USA und Kanada, wo es viele deutsche Chöre gibt, die oft auch Mitglied im Chorverband sind.
Wötzel: Sie holten als "spiritus rector" der Chorfeste 2007 und jetzt zum 60. Geburtstag der Romantischen Straße die Chorlegende Gotthilf Fischer nach Feuchtwangen. Wird ein solches Fest nochmals stattfinden, wenn die Bedeutung des Sängermuseums schrumpfen sollte?
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Fotos: Sängermuseum (2), www.gruppenreisen-clicks.de/Gerd-Niels Wötzel (3)
