Top-Tipp: Blaubarts Burg in Budapest

Spektakuläre Inszenierung der Bartók-Oper

Düsteres Finale: die früheren Frauen in Herzog Blaubarts Burg

"Herzog Blaubarts Burg", einzige Oper von Ungarns bedeutendstem Komponisten Béla Bartók, ist ein Meisterwerk des frühen 20. Jh. Zum 125. Geburtstag der Ungarischen Staatsoper steht dieses "Nationalheiligtum" in einer packenden Neuinszenierung wieder auf dem Spielplan: Der Einakter wird mit unterschiedlichem Blickwinkel zweimal gespielt: Ein Leckerbissen bei Budapest-Reisen, so gruppenreisen-clicks.de - Herausgeber Gerd-Niels Wötzel.

Szene mit Blaubart und Judith

Die Handlung auf Basis des Blaubart-Märchens: Judith verlässt Elternhaus und Verlobten, folgt Blaubart aus Liebe in sein dunkel-geheimnisvolles Schloss, um die Ursache seiner Düsternis zu erfahren. Dort findet sie "sieben stumme, schwarze Türen" vor. Sie drängt ihn, diese nacheinander zu öffnen, was er immer unwilliger tut. Die ersten beiden Türen verbergen die Folter- und die Waffenkammer Blaubarts, die dritte und vierte Tür Schatzkammer und Zaubergarten. Als sich auf ihr Drängen die fünfte Tür öffnet, erstrahlt des Herzogs Reich in hellem Glanz – vermischt freilich mit Blut. Blaubart warnt Judith vor dem Öffnen der letzten beiden Türen. Wie bei Richard Wagner Lohengrin Elsa mit dem Frageverbot "Nie sollst Du mich befragen" belegt, bestimmt Blaubart ihr: "Alles schaue, frage nimmer…". Hinter der sechsten Tür liegt sein See der Tränen und schließlich hinter der siebten verkörpern Blaubarts drei frühere Frauen den Morgen, Mittag und Abend. In deren Reich reiht sich Judith als seine schönste, seine "Königin der Nacht" ein. "Von nun an ist für immer Nacht", singt Blaubart – die Bühne versinkt im Dunkeln wie zu Beginn...

Szenen aus der Doppelaufführung der Oper "Herzog Blaubarts Burg"


Bartóks 1911 komponierte Oper "A kékszakállú herceg vára" mit dem Libretto von Béla Bálacs, ist kein leicht eingängiges Werk. Im prunkvollen Bau am Boulevard Andrassy ut entfaltet sich unter der Leitung von Adam Fischer ein fein ziseliertes Seelendrama um das immer wiederkehrende Thema des Geschlechterkampfes zwischen Mann und Frau in der Fessel von Emotionen und Leidenschaft, der Frage von Täter und Opfer und den Motiven von Leiden und Erlösung.

Judith begegnet sich selbst hinter der siebten Tür

Der als Dirigent weltweit geschätzte Generalmusikdirektor der Ungarischen Staatsoper entlockt der Partitur, in deren symphonischer Struktur impressionistischer Klangzauber, expressive Dramatik und von der Archaik ungarischer Folklore bestimmte Elemente sich zu einer originellen, eigenständigen Klangsprache mischen, alle Feinheiten im Spannungsbogen zwischen dunklem fis-moll zu Beginn und Finale und dem strahlendem C-Dur in Blaubarts Reich. Und das bewundernswert differenziert. Spielt das Orchester im ersten Durchlauf kühl-distanziert, klingt es in der Wiederholung wärmer, weicher, runder.

"Herzog Blaubarts Burg" wurde an der Staatsoper seit der Uraufführung im Jahr 1918 bislang elf Mal inszeniert. Der österreichische Regisseur Hartmut Schörghofer und der deutsche Bühnenbildner Andreas Grüter realisieren das Konzept einer Doppelinszenierung. Das Bühnenbild kombiniert Spiegelkonstruktionen, die immer wieder das Innere des Opernhauses wiedergeben, mit Videoinstallationen (fettFilm Momme Hinrichs und Torge Møller) und wird den Perspektivwechseln von seelischer Innen- und Außensicht des symbolbeladenen, doppelbödigen Textes gerecht. Die Varianten vor und nach der Pause sind gering, aber signifikant – so werden im ersten Durchlauf in der Folterkammer nur Foltergeräte gezeigt, im zweiten dagegen malträtieren High Heels das Opfer (Blaubart).

Bálint Szabó als Blaubart

Mit dem rumänischen Bass Bálint Szabó als Blaubart und der ungarischen Mezzospranistin Viktória Vizin als Judith stehen zwei Protagonisten auf der Bühne, die das Regiekonzept hervorragend verinnerlichen, ihre Rollen in beiden Parts unterschiedlich und insbesondere nach der Pause mit starken stimmlichen und schauspielerischen Leistungen akzentuieren. Die Oper in ungarischer Sprache wird englisch untertitelt. Termine weiterer Aufführungen auf der Website des Opernhauses.



Fotos: Ungarische Staatsoper/Fábián Évi

Premieren 2009/2010 [256 KB]

Weitere Infos

www.opera.hu

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