Wo das Herz der Puszta schlägt

Vereinsausflüge in den Hortobágy Nationalpark

Nicht durch, aber bis ins Zentrum der Puszta dürfen Busse fahren – dann heißt es umsteigen in Kutschen oder auf Pferdewagen mit 1 oder 2 PS...

Hirten, Pferde, Rinder, Ziehbrunnen, Paprika, Piroschka, Peitschenknallen und Zigeunermusik: Das Touristen-Bild der Puszta steckt voller Klischees. Dennoch: Nirgendwo zeigt sich dieser Zauber schöner als in der Hortobágy Puszta im Nordosten Ungarns (25 km von Hajdúszoboszló). Der erste Nationalpark des Landes ist Mitteleuropas größte zusammenhängende Grassteppe, mit 82.000 Hektar größtes magyarisches Naturschutzgebiet und seit 1999 UNESCO-Weltkulturerbe. Ein Ausflug in die Hortobágy mit einem ersten Fotostopp an der berühmten "Brücke mit den neun Bögen" ist ein "Muss" – bei geführten Touren im Pferdewagen, in Kutschen oder auf dem Pferderücken.

Zünftige Begrüßung mit Schnaps und Gebäck vor der Kutschfahrt

Im "Feenland der Hirten" und früheren Überschwemmungsgebiet der Theiss (Tisza) mit einst 52 Dörfern gibt es natürlich auch Ziehbrunnen, Herden und Hirten. Durch die größtenteils als Biosphärenreservat geschützte Puszta führte einst der Ochsenweg, auf dem die Rinder bis Wien, Passau, München und Straßburg getrieben wurden. Die extensive Viehzucht mit den immer noch vielen frei weidenden Tieren verbietet im Kernbereich Wander- und Radwege, an der Peripherie kann man wandern und radeln.

Rund 50.000 Schafe‚ 9.000 Steppenrinder, 400 Wildpferde (von einst 6.000), 200 Büffel, dazu Schafe und die berühmten fettreichen Mangalica(Woll-)Schweine leben in der Hortobágy. Sehenswert auch das Hortobágyer Gen-Zentrum zur Erhaltung der ältesten Haustierrassen Ungarns. Und das über 300 Jahre alte Máta Gestüt ist mit 250 Vierbeinern das bedeutendste seiner Art im Land – berühmt für Fahr- und Sportpferde ist die hier gezüchtete Nonsius-Rasse. Etwa 200 Hirten pflegen ihre traditionsreiche Kultur und zeigen den Besuchergruppen u.a. ihre Reit- und Kutschfahr-Künste. Highlights sind die jährlichen Reitertage und Wettkämpfe der Rinderhirten.

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Wenn die Kraniche ziehen...

Noch arbeiten mehr 200 Hirten in der Puszta

Für den Herbstzug der europäischen Vogelwelt ist der Nationalpark wegen seiner fischreichen Sümpfe und Bäche ein bedeutendes Refugium: Hier wurden bisher über 340 Vogelarten registriert, davon nisten 152 im Nationalpark. Ein einzigartiges Schauspiel ist der Flug zehntausender Kraniche, die hier im Oktober übernachten. Kein Wunder, dass der Kranich das Hortobágy-Wappentier ist.

Das Fremdenverkehrsbüro der Hortobágyer Gemeinnützige Gesellschaft (KHT), die auch ein Mustergut für ökologischen Anbau betreibt, organisiert Wagen- und Kutschfahrten (ca. 2 Std. Dauer), die auch mit einem landestypischen Essen in einer Csárda auf dem Gestütsgelände verbunden werden kann.

Weltberühmtes Wahrzeichen des Weltkulturerbes Hortobagy Puszta: die Neunbogenbrücke


"Mein Engel, meine Hortobágyer Wirtin..."
Auf einer Seite der Neunbogen-Brücke steht die Hortobágyer Csárda: Das älteste Bauwerk der Puszta wurde 1699 von der Stadt Debrecen als "Kneipenhaus" für Reisende errichtet und später mehrfach umgebaut und erweitert. Die Brücke, das heute als Hirtenmuseum fungierende Kutschenhaus gegenüber und die Csárda bilden ein einzigartiges architektonisches Ensemble. Dieses wertvollste Denkmal ungarischer Gastronomie des 17. Jh. bietet durstigen und hungrigen Gästen täglich von 8 bis 22 Uhr lokale Spezialitäten in stimmungsvoll-romantischem Ambiente; so wie früher dem Fürsten Rákóczi, Literaten oder den Komponisten Liszt, Bartók und Kodály. Eine Tafel erinnert an Sándor Petöfi, der 1842 hier sein volkstümliches Lied "Hortobágyi korcsmárosné angyalom – Mein Engel, meine Hortobágyer Wirtin…" dichtete. Im Handwerkerhof nebenan pflegen 40 Handwerkmeister ihre Künste – Gerber, Hornschnitzer, Kupferschmiede, Maisblattflechter, Schneider, Töpfer.

Alte Handwerkskunst wird im Handwerkerhof praktiziert (l., Mitte). Einen Abstecher lohnt der Tierpark


Einen Abstecher lohnt der Puszta-Tierpark. Er zeigt konzentriert die Viehhaltung in der Hortobágy. Vom Aussichtturm hat man einen schönen Rundblick. Öffnungszeiten: Mitte April bis Mitte November täglich von 8 bis 18 Uhr; Eintritt: 500 Forint (ca € 2,-- ).

Fotos: Sven Leupold (4), www.gruppenreisen-clicks.de/Gerd-Niels Wötzel (9)

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Weitere Infos

www.hortobagy.eu

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