Bus und BUGA – Klassiker für Gruppenreisen

Aufbruchstimmung bei 58. RDA-Mitgliederversammlung

Freude über den ersten gemeinsamen Bustouristik-Kongress zur Eröffnung der BUGA 2009 in Schwerin: RDA-Präsident Richard Eberhardt (rechts) und gbk-Vorsitzender Rainer Klink (links)

Strahlende Sonne und ein strahlender Bundespräsident, ein Meer von Tulpen und bunte Gärten, die Märchenkulisse von Schloss und Staatstheater vis-à-vis als noblem Tagungsort: Attraktiver konnte das Umfeld für die 58. Mitgliederversammlung des RDA Internationaler Bustouristik Verband e.V. am Eröffnungstag der Bundesgartenschau in Schwerin nicht sein. Dass gleichzeitig auch die Gütegemeinschaft Buskomfort in der Hauptstadt Mecklenburg-Vorpommerns ihre Jahrestagung abhielt, war der überzeugende Beweis: Bus und BUGA gehören zusammen. Gruppenreisen vor allem mit dem Bus generieren einen hohen Anteil unter den in Schwerin erwarteten 1,8 Mio. Besuchern.

Dass die Lage in einer globalen Wirtschaftskrise auch für die Busbranche sehr ernst ist, wurde bei dem Kongress vom 23. bis 25. April 2009 vor den rund 250 Teilnehmern – darunter Spitzenvertreter der Buspartnerverbände aus Deutschland, der Schweiz und England – nicht verhehlt. Mit dem Tagungsmotto "Gute Aussichten durch fundierte Einsichten – die Chancen der Krise nutzen" und richtungweisenden Referaten signalisierte der Spitzenverband der Bus- und Gruppentouristik Mut nach vorne. RDA-Präsident Richard Eberhardt verwies auf die Synergien des ersten gemeinsamen Kongresses beider Verbände und plädierte für die Geschlossenheit der Branche: "In der Bündelung aller Kräfte liegt der Schlüssel zum Erfolg."

Erfolgreiche Lobbyarbeit weiter intensivieren
Zu Beginn des internen Teils der Jahrestagung hatte Joachim Kümmritz, Generalintendant des Mecklenburgischen Staatstheaters ("die Semperoper des Nordens"), in einem launigen Grußwort die Landeshauptstadt und seine Bühne als attraktives Gruppenreisen-Ziel schmackhaft gemacht. Immerhin kommen zu den 700 Vorstellungen des Fünf-Spartentheaters mit 200.000 Besuchern mehr als doppelt so viele Menschen als Schwerin Einwohner hat, dazu noch zigtausende zu den Schlossfestspielen mit Mozarts "Zauberflöte" und dem Musical Alexis Sorbas in diesem Jahr.

"Wir stehen am Beginn einer äußerst schwierigen Etappe und wissen nicht, wohin die Reise geht", stellte Eberhardt in seiner Bestandsaufnahme zur Lage fest. Angesichts dramatischer Herausforderungen, in der immer mehr Betriebe vor Existenz bedrohenden Problemen stünden, sei "schonungslose Offenheit" notwendig. "Wir sind erfolgreicher geworden", bilanzierte er mit Blick auf die Lobbyarbeit. Beispiele sind die unmittelbar bevorstehende Wiedereinführung einer modifizierten 12-Tage-Regelung bei den Lenk- und Ruhezeiten ("die Rücknahme eines Fehlers") und die gemeinsame Umwelt-Aktion von RDA und gbk, bei der Bundesumweltminister Siegmar Gabriel empfiehlt: Fahren Sie Bus! "Wir müssen in der Lobbyarbeit noch offensiver und effizienter werden", forderte der RDA-Präsident die Mitglieder auf, selbst mit ihren Abgeordneten über ihre Probleme zu sprechen. Als "Glanzstück politischer Inkompetenz" bezeichnete er die Aussperrung von Reisebussen aus den Umweltzonen der Städte und forderte eine bundes- und europaweite Ausnahmeregelung bis 2015. Mit der Aussperrung werde das umweltverträglichste Verkehrsmittel mit den Füßen getreten.

RDA-Präsident Richard Eberhardt, Dr. Karl-Heinz Däke (Bund der Steuerzahler Deutschlands), Marktforscher Prof. Dr. Martin Lohmann (N.I.T.)


Die Busreise ist kein Verlierer
"Die Busreise ist erlebnisreich, spannend und entspannend, wir sind mit einem stabilen Anteil von 9% an den Urlaubsreisen über 5 Tage Dauer keine Verlierer", betonte Eberhardt. Wichtig sei es, sich von "liebgewordenen Traditionen und Gewohnheiten von gestern" zu verabschieden. Er forderte die Mitglieder auf, die vielfältigen Angebote des Verbands zu nutzen und mit dem Vorstand in Dialog zu treten: "Ideen werden durch Kommunikation und Austausch gewonnen".

Die Aktivitäten des RDA im vergangenen Jahr rekapitulierte Hauptgeschäftsführer Dieter Gauf an markanten Beispielen. Eindringlich zeichnete er den langen Weg durch die Instanzen zur Revision der Lenk- und Ruhezeiten nach. In Brüssel und Berlin mussten mit intensiver Aufklärungsarbeit die Politiker für eine busfreundliche Lösung sensibilisiert werden. Gerechter Lohn für die Kärnerarbeit: Just am Tag der Mitgliederversammlung hat das Europa-Parlament die Änderung der Regelung zugunsten der Bustouristik beschlossen. Gauf: "Die modifizierte Revision ist greifbar, wir haben das Optimale herausgeholt". Analoges gelte für die Umweltzonen: "Auch da müssen dicke Bretter gebohrt werden". Beim Dauerkampf gegen die steuerliche Diskriminierung des Reisebusses wurde mit der Einbeziehung des bislang steuerbefreiten Flugverkehrs in den Emissionshandel ein erster Erfolg erzielt. Weitere Aktivitäts-Schwerpunkte: Rechtssicherheit, Incoming, RDA-Workshop, Marktforschung und das Thema Sicherheit als "Basis der Bustouristik".

Einen ergebnisorientierten Einsatz der Mittel und ein solides finanzielles Fundament attestierte Schatzmeister Ansgar Zoller dem Verband. Rechnungsprüfer Rolf Wieneke bescheinigte eine tadellose Buchführung und beantragte die Entlastung von Vorstand und Geschäftsführung, die einstimmig erfolgte. Ohne Gegenstimmen wurden auch Vizepräsident Konrad Behringer und die Vorstandsmitglieder Heinrich Marti und Hannes Staggl in ihren Ämtern bestätigt.

Beliebtes Busreiseziel Mecklenburg-Vorpommern
"Die Bustouristik hat eine hohe Bedeutung für Mecklenburg-Vorpommern", betonte Erwein Sellering zur Eröffnung des öffentlichen Kongressteils. Der Ministerpräsident hob vor den Bustouristikern die Attraktionen des Bundeslandes und der "kleinsten und schönsten Landeshauptstadt" hervor. Und auch Sylvia Bretschneider, Landtagspräsidentin und Präsidentin des Landestourismusverbands, brach in ihrem Grußwort eine Lanze für die Busreise als "Segment der Zukunft und weitaus entspannender als im Pkw".

Warben für das Bus- und Gruppenreisen-Ziel Mecklenburg-Vorpommern: Landtagspräsidentin Sylvia Bretschneider und Ministerpräsident Erwin Sellering


Spannend und voller Kontraste und Perspektiven war das von Gerd Schmitz moderierte Kongressprogramm mit prominenten Referenten. Dr. Karl Heinz Däke, Präsident des Bundes der Steuerzahler Deutschlands e.V., beglückwünschte den RDA zum Ort und Motto der Tagung - "der richtige Verband zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle". Zum Thema "Wer Steuern zahlt, will Sparsamkeit – Handlungsspielraum in der globalen Wirtschaftskrise" kritisierte er massiv die Zockergeschäfte von Staatsbanken und Kommunen, das rasante Anwachsen des Schuldenberges auf 1,64 Billionen Euro Ende 2009, wirtschaftlich verfehlte Maßnahmen wie die Abwrackprämien, die "Nebelkerzen" der Steuerreform. Seine Forderungen: grundlegende Reform der Einkommenssteuer, sofortige Abschaffung des Solidaritätszuschlags ("nichts anderes als eine Ergänzungsabgabe"), sorgsamer Umgang des Staates mit Steuergeldern und – unter dem Beifall des Plenums – den "Straftatbestand der Steuerverschwendung".

Busreise hat gute Chancen
Ein gutes Zukunftspotenzial attestierte Prof. Dr. Martin Lohmann von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) der Bustouristik. Der renommierte Marktforscher (u.a. ReiseAnalyse) zeigte zum Thema "Die Buskunden erreichen: Werte, Themen, Medien" aktuelle und künftige Trends sowie Kanäle auf, mit denen Buskunden erreicht und erfolgreich für diese Reiseform gewonnen werden. Buskunden sind zum Beispiel neugierig auf Fremdes – aber ohne Aufregung, sie suchen Gemeinschaft und sind doch individuell, sie wollen neue Eindrücke und Kulturen erleben und sich verwöhnen lassen.

Reisebus ist Spitze in punkto Umwelt…
Der Bus ist in Bezug auf Primärenergieverbrauch und Treibhauseffekt das umweltverträglichste Reiseverkehrsmittel. Das bestätigte jetzt eindrucksvoll die neue Studie "Vergleichende Umweltbilanz des Reisebusses", die der RDA beim renommierten Ifeu-Institut in Auftrag gegeben hatte. Gegenüber Pkw, Bahn und Flugzeug schneidet er bei fast allen Vergleichen mit oft großem Vorsprung am besten ab, so Wolfram Knörr von dem Heidelberger Institut. Dass er im Vergleich einer Reise von Frankfurt nach Paris etwas schlechter als der ICE abschneidet, hängt damit zusammen, dass die Bahn auf französischer Seite mit Atomstrom fährt.

Wolfram Knörr (ifeu Institut), n-tv-Moderatorin Katja Dofel, EvoBus-Chef Hartmut Schick


… Sicherheit und Komfort
Nicht nur mit seiner Umweltbilanz ist der Bus Spitze – er ist auch Trendsetter bei den großen Herausforderungen in punkto Sicherheit und Wirtschaftlichkeit. Hartmut Schick, der Vorsitzende der Geschäftsführung der EvoBus GmbH als größter Bushersteller der Welt, zeigte am "Projekt Zukunft" die Innovationen der Busindustrie auf: Modernste aktive und passive Sicherheitsfeatures (wie z.B. der Active Brake Assist zum Verhindern von Auffahrunfällen), umweltfreundliche Motoren und alternative Antriebe, nicht zuletzt hoher Komfort für die Fahrgäste machen Reisebusse besonders zukunftsfähig.

Spannend und verständlich legte die Fernsehjournalistin Katja Dofel die Hintergründe der aus einer Finanzkrise entstandenen globalen Wirtschaftskrise dar. Zum Thema "Erschütterungen der Finanzwelt" konnte die bekannte Börsenmoderatorin von n-tv freilich auch nicht prognostizieren, wie die Aussichten zur Kapitalversorgung des Mittelstandes stehen. "Das einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst" – diesen Satz von Franklin D. Roosevelt gab sie den Teilnehmern mit auf den Weg…

RDA-Vorstand und Geschäftsführung (l.), RDA-Vorstände pflanzen Bäume


Die BUGA lockt bis 11. Oktober

Der halbjährige Blütenzauber in den sieben BUGA-Gärten um das Schweriner Schloss ist ein Highlight für Gruppenreisen, Vereinsausflüge und Clubtouren. Was man dabei alles erleben kann, zeigte das Rahmenprogramm: Ein Abend-Empfang in der Orangerie des Schlosses, ein abendliches Essen in einer umfunktionierten Bootshalle mitten im Gartenschaugelände und als Highlight eine Schiffstour im Rahmen eines Bootscorsos der Weißen Flotte mit Büffet und Musik in der Dämmerung auf den Schweriner Seen. Aber nicht nur die Landeshauptstadt ist eine Busreise wert. Rund 50 km entfernt locken Bad Doberan mit dem großartigen Münster und der Nostalgiebahn Molli und natürlich die Ostseeküste mit den Seebädern Heiligendamm und Kühlungsborn: ein klassischer Tagesausflug für Gruppen.

Nach den Bus-Klassikern BUGA und Mecklenburg-Vorpommern findet die 59. RDA-Mitgliederversammlung in einer Newcomer-Destination für Gruppenreisen statt: in Bratislava, der Hauptstadt der Slowakei.

Fotos: RDA, Bund der Steuerzahler Deutschland e.V.; N.I.T.; ifeu-Institut, Daimler AG

Weitere Infos

www.rda.de

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