Sind Reisebusse in Städten noch willkommen?

27. "Tag der Bustouristik" in der Autostadt

Fahren künftig Reisebusse an Städten vorbei, wenn sie nicht mindestens Euro 4-Motoren besitzen, wie dieser aktuelle Mercedes-Benz Tourismo?

Wer das Klima schonen will, reist mit dem Bus. Wird dieses nachgewiesen umweltverträglichste Reiseverkehrsmittel durch gut gemeinte, aber falsch fokussierte Umweltschutzmaßnahmen aus den Städten ausgeschlossen? Das hinterfragt am 12. Januar 2009 der 27. "Tag der Bustouristik" in der Autostadt in Wolfsburg. Experten aus Politik, der Busbranche, Hotellerie und Städte beziehen Stellung zum Thema: "Städtereisen - Reisebusse willkommen?".

"Mit Umweltzonen und Busaussperrungen werden Hürden aufgebaut, die den Städtetourismus und das Event-, Musical-, Messe- und Kongressgeschäft schädigen", erläutert Dieter Gauf als Initiator und Organisator des renommierten Branchenforums, Eine der Fragen bei dieser Veranstaltung lautet deshalb 'Steht der Umweltschutz im Widerspruch zur Incomingförderung?'. Auf jeden Fall konterkarieren Strafzettel als Begrüßung von Gruppen die Arbeit der Tourismusorganisationen."

"Tag der Bustouristik"-Initiator Dieter Gauf: Umweltzonen sind ungeeignet für die Feinstaub-Reduktion

Und, so der Hauptgeschäftsführer des Internationalen Bustouristik Verbands RDA: "Umweltzonen stellen einen massiven Eingriff in den Gewerbebetrieb von Busunternehmen, Hotels und Gaststätten dar und erweisen sich als ungeeignet für die angestrebte Feinstaub-Reduktion". Schon heute benötigen Reisebusse - wie Pkw - für die Städte, die Umweltzonen ausgewiesen haben, Plaketten. Fakt ist, dass ab 2010 nur noch Reisebusse mit Euro 4-Motoren in die Umweltzonen von Städten einfahren dürfen. Diese Motoren sind aber erst seit Ende 2006 auf dem Markt, so dass ein großer Teil der Flotten von Busreiseveranstaltern von den Stadtzentren und deren Attraktionen und Sehenswürdigkeiten verbannt werden. Auch Gruppenreisen von Clubs und Vereinen sind davon betroffen, für die Städte als Ziele und Busse als Verkehrsmittel hoch im Kurse stehen.

Gauf ist es auch in diesem Jahr gelungen, Fachleute aus den betroffenen Bereichen für die brisante und kontroverse Diskussion zu verpflichten. Die Position der Städte vertritt Jens Lattmann, Leiter des Dezernats Umwelt und Wirtschaft des Deutschen Städtetags, Yves Mannaerts, Vizepräsident der International Road Union IRU sowie FBAA (Belgische Busunternehmer Verband) bringt Perspektiven der internationalen Busverkehrsbetriebe ein, während der Herforder Busreiseveranstalter Rolf Wieneke mit klaren Worten für die deutschen Busunternehmer eintritt.

Kämpft für "Frei Fahrt" für den Reisebus: Ernst Hinsken

Auswirkungen auf und Konsequenzen für die Hotellerie und Gastronomie legt Ingrid Hartges dar, die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands DEHOGA. Die erheblichen rechtlichen Bedenken zur Verhältnismäßigkeit der Umweltzonen begründet der Rechtswissenschaftler Prof. Dr. jur. Harald Bartl. Die Einleitung von Schritten zur politischen Lösung der Problematik verspricht der Beitrag von Ernst Hinsken, dem Tourismusbeauftragten der Deutschen Bundesregierung.


Reisebusse mit Motoren ab Euro 4 wie der Setra Comfort Class S419 GT-HD oder der Mercedes-Benz-Sprinter haben künftig keine Probleme. Viele Busreiseveranstalter werden noch Fahrzeuge haben, die vor Ende 2006 zugelassen wurden.

Die Autotürme - Wahrzeichen der Autostadt

"Umweltzonen erscheinen als weitere Eskalation des Trends zu Busaussperrungen in Europa", so RDA-Präsident Richard Eberhardt. Otto-Ferdinand Wachs, Geschäftsführer der Autostadt in Wolfsburg, zeigt in der Begrüßung, dass es auch weitsichtige Städte und Destinationen gibt, in denen Busunternehmer willkommen sind, wie z.B. Wolfsburg und der automobile Themenpark des Volkswagenkonzerns. Die Teilnahme ist für Fachbesucher ohne Tagungsgebühr, am Vortag gibt es ein fakultatives Vorprogramm der Autostadt zum Sonderpreis.

Fotos: Daimler Bus - Mercedes Benz (2), Setra (1), RDA, Autostadt

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