Kohls Kanzlerbus versus SED-Protokollbus
Schwarz-rote Geheimtipps für VIP-Gruppen
Im Jahr des Mauerfalls 1989 bestellte den einen Bus Bundeskanzler Helmut Kohl als luxuriöses Repräsentations- und Konferenzfahrzeug für Staatsgäste, und der Mercedes-Benz O 303 fuhr als "Kanzlerbus" in die Geschichte der Wiedervereinigung beider deutscher Staaten ein. 1984 wurde der andere Bus - ein ungarischer Ikarus - zur 35-Jahresfeier der DDR für Erich Mielke, angefertigt und diente als Protokollbus des Zentralkomitees der SED dem Transfer prominenter Staatsbesucher. Bus-Luxus à la BRD und DDR…
Im schwarzen "Kanzlerbus" konferierte Helmut Kohl vom 12. bis 15. Juni 1989 im Rahmen der "Zwei-plus-Vier-Gespräche" zur Wiedervereinigung beispielweise mit dem sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow. Der soll die luxuriöse Großraumlimousine liebevoll seine "Old Lady" genannt und sofort wiedererkannt haben, als er damit im Oktober 2005 zur Verleihung des Augsburger Friedenspreises chauffiert wurde. Bis dato ist der analog der Business-Class in Flugzeugen ausgestattete "Oldie" im Besitz des Busunternehmens Z MOBILITY - Werner Ziegelmeier GmbH in Bobingen bei Augsburg und bis 22. November Blickfang der Mercedes-Benz-Omnibustage in Mannheim, ehe er danach als ein Prunkstück ins Mercedes-Benz-Museum nach Stuttgart überführt wird.
Schwarzes Leder, dezente Eleganz: Konferenzecke (l.) und Schlafsessel mit Tischen im Kanzlerbus
Von Gorbi bis zu Queen Elisabeth...
Internationale Polit-Prominenz fühlte sich in den Vollschlafsesseln aus schwarzem Rindnappa des O 303-Busses mit dem Stern und der Rundum-Versorgung durch Bordcatering wohl: Kohl am 9. Dezember 1996 zu deutsch-französischen Konsultationen, Kanzler-Nachfolger Gerhard Schröder zur Fahrt mit Frankreichs Premier Lionel Jospin im Februar 1999 zum Besuch in Quedlinburg, Chinas Ministerpräsident Zhu Rongji und Irans Präsident Chatami bei ihren Staatbesuchen in Deutschland im Jahr 2000, Wladimir Putin bei den deutsch-russischen Konsultationen 2002 und 2003, Bill und Hillary Clinton bei ihren Deutschland-Besuchen, nicht zuletzt Queen Elisabeth. Aber auch Künstler und Showstars genossen den rollenden Luxus bei Tourneen.
Daten des 12-Meter-Busses: 20 Voll-Lederschlafsessel, acht Sitzplätze in der Hecklounge (für ausgewählte Journalisten), ein Reiseleitersitz, WC, Klimaanlage, Bordküche, Tische, eigene 220 Volt-Stromversorgung, DVD, CD, Radio.
Schwarz kontra Rot, Mercedes-Benz kontra Ikarus: Kohls Kanzlerbus, Honeckers ZK-Protokollbus
...zu Honeckers Jagdausflügen
Luxus, wie ihn normale DDR-Busse nicht kannten, wurde auch im rot-gelb lackierten Ikarus des ZK (mit Hammer-Zirkel-Ährenkranz-Logo) großgeschrieben, mit dem nicht nur höchstrangige Staatsbesucher wie Fidel Castro und Michail Gorbatschow chauffiert wurden. Die SED-Nomenklatura verlustierte sich in dem Fahrzeug vor allem auch bei den berühmten Ausflugsfahrten zur Pirsch in einem ihrer 26 Sonderjagdgebiete. Heute ist der Bus (Kennzeichen: ABI-ZK-89) Glanzstück der Oldtimer-Flotte des Busreiseveranstalters Vetter Touristik in Zörbig-Salzfurtkapelle, der ihn vor einigen Jahren bei einem Händler in Halle gesehen und gekauft hatte. Den eigentümlichen Charme der DDR können Gruppen und Vereine so erleben wie www.gruppenreisen-clicks.de Herausgeber Gerd-Niels Wötzel im November 2008 in Köthen während der Premiere der Veranstaltung "Bus und Bach".
Daten des 12-Meter-Busses: Klimaanlage, Toilette, Küche mit Spüle, zwei Kühlschränke, Minibar, Kaffeemaschine, schwarz-weiß-Videoanlage mit Außenkamera und zwei Monitoren, Radio. 16 bequeme Lederdrehsessel, von denen als einziger der Erich Honeckers (der dritte in der rechten Reihe) beheizt und mit Thermometer versehen war, damit der Staatsratsvorsitzende immer die richtige wohlige Sitztemperatur spürte. Besonderes Highlights: Hinter der Fahrkabine wirft das Porträt von Honecker einen wachsamen Blick auf die Fahrgäste - und im Heck lagern zwei entschärfte Kalaschnikows des Sicherheitspersonals, das damals jede Tour begleitete.
Fotos: Daimler AG, Köthen Kultur und Marketing GmbH, www.gruppenreisen-clicks.de / Gerd-Niels Wötzel



